Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Dynamisierung der Wirtschaft und
dem wachsenden Veränderungsdruck hat die Fähigkeit zur permanenten
Weiterentwicklung für die zukünftige Wettbewerbs- und Überlebensfähigkeit
von Organisationen maßgeblich an Bedeutung gewonnen.
Organisationen suchen nach geeigneten Strategien, um in Zeiten des Wandels
erfolgreich an Märkten bestehen, sich den geforderten Veränderungen
anpassen sowie die stetige Zunahme an Informationen und Wissen nutzbringend
bewältigen zu können.
Eine besondere Stellung nimmt hierbei das organisationale Lernen ein:
„In fact, I would argue that the rate at
which individuals and organizations
learn may become the only sustainable competitive advantage, especially
in
knowledge-intensive industries.“ (Stata, 1989, S. 51).
Organisationales Lernen setzt individuelles Lernen voraus, geht jedoch darüber hinaus. Es beinhaltet den Erwerb und die Veränderung von Wissen im Hinblick auf das Unternehmen und seine Umwelt.
Organisationales Lernen kann definiert werden als der Prozess:
- der Umwandlung von individuellem Wissen, in Wissen, dass allen Mitgliedern
der
Organisation
zur Verfügung steht (= organisationale Wissensbasis)
- der Veränderung der organisationalen Wissensbasis
- der Verbesserung der individuellen sowie organisationalen Problemlösungs-
und
Handlungskompetenz
(Probst & Büchel, 1998, S. 17).
Ziel des organisationalen Lernens ist es, individuelle Lernerfahrungen bzw.
bestehendes Wissen mittels institutionalisierter standardisierter Prozeduren
(z.B. Strukturen, Handlungsabläufe, Regeln) individuumsunabhängig
zu erfassen und als organisationales Wissen zu speichern. Organisationales
Lernen wird in diesem Zusammenhang auch beschrieben als:
„... Nutzung, Veränderung und Fortentwicklung
einer organisationalen
Wissensbasis.“ (Pautzke, 1989, S. 89).
Vorraussetzung ist jedoch das Vorhandensein eines organisationalen Lernsystems bzw. institutionalisierter Methoden und Verfahren, die dies ermöglichen (Becker et al., 1995). SOL-VE als ereignisbasiertes Berichts- und Informationssystem mit integrierter Datenbank kann in diesem Sinne als ein organisationales Lernsystem verstanden werden.
Organisationales Lernen vollzieht sich hierin
im Wesentlichen
auf drei Ebenen:
Die
Ereignisverwaltung und -dokumentation
dient der Beschreibung und Klassifizierung des jeweils zu bearbeitenden
sicherheitsrelevanten Ereignisses.
Die Maßnahmenverwaltung und -dokumentation ermöglicht die Beschreibung und Verwaltung ereignisbezogener Maßnahmen.
Die Methode zur vertiefenden Ereignisanalyse SOL dient der systematischen und umfassenden Ereignisanalyse sicherheitsrelevanter Vorkommnisse.
Die systematische Betrachtung von Ereignissen in SOL-VE kann demnach als notwendige aber keineswegs hinreichende Bedingung für das organisationale Lernen begriffen werden.
In diesem Sinne bedeutet die Implementierung und Anwendung von SOL-VE in einer komplexen Organisation die Etablierung eines kontinuierlichen Prozesses des Aufbaus und Managements von organisationalen Wissen.